Und warum es im Berufsalltag des Sozialpädagogen Rolf zu einem persönlichen Lebensanker wurde.
Ein ungewöhnlicher Unterrichtsmoment
Alles begann in der Berufsschule der BFGS. Im Unterricht stellte unsere Klassenlehrperson ein Thema auf eine besonders kreative Weise vor: mithilfe eines Liedes – mit passendem Text und abgestimmtem Genre. Diese Methode war für mich neu und hat mich sofort begeistert. Ich merkte schnell, dass Musik nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch ein wirkungsvolles Mittel sein kann, um Inhalte besser zu verstehen und zu behalten. Diese Erfahrung inspirierte mich dazu, Musik gezielt für mein eigenes Lernen einzusetzen.
Die Idee wächst weiter
Nachdem ich einige Songs für mich selbst erstellt hatte, entwickelte sich daraus eine neue Idee. Ich wollte Musik nicht nur für mich nutzen, sondern auch für andere Menschen in meinem Umfeld. Besonders dachte ich dabei an meine Bezugsperson Hansruedi, welcher sich zu dieser Zeit in einer emotional schwierigen Phase befand und unter depressiver Stimmung litt. Mir war bewusst, dass er gerne singt und Musik für ihn eine wichtige Rolle spielt. Zudem passte meine Idee sehr gut zu unserem Jahresmotto «Musik beflügelt uns».
Persönliche Lieder für Hansruedi
Aus diesen Gründen entschied ich mich, für ihn persönliche Lieder zu erstellen. Mithilfe eines Internetprogramms komponierte ich drei Songs in unterschiedlichen Musikrichtungen – Schlager, Pop und Rock –, damit für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die Texte gestaltete ich bewusst persönlich, sodass sie einen Bezug zu seinem Leben, seinen Erfahrungen und seinen Stärken haben. Mein Ziel war es, ihm durch die Musik Mut zu machen, positive Gefühle zu fördern und ihm in schwierigen Momenten eine Unterstützung zu bieten.
Musik als gemeinsame Kraftquelle
Die Reaktion auf die Lieder war überwältigend positiv. Schon beim ersten Hören zeigte sich, wie sehr ihn die Songs berührten. Er freute sich nicht nur darüber, sondern fühlte sich auch verstanden und wertgeschätzt. Diese positive Rückmeldung motivierte uns, gemeinsam weiterzumachen. Kurz darauf begannen wir, zusammen weitere Songs zu schreiben, die seine Lebensgeschichte, seine Gedanken und seine Gefühle widerspiegeln. Dadurch wurde er aktiv in den kreativen Prozess eingebunden, was ihm zusätzlich Selbstvertrauen und Freude brachte.
Wie Musik die Stimmung verändern kann
Seitdem Hansruedi diese Lieder regelmässig hört, hat sich seine emotionale Stimmung deutlich verbessert. Besonders in Momenten, in denen seine gute Laune nachlässt, greifen wir bewusst auf die Musik zurück. Wir schlagen ihm vor, seine persönlichen Lieder anzuhören – und jedes Mal nimmt er dieses Angebot gerne an. Es ist deutlich spürbar, wie sich seine Stimmung dabei aufhellt und er wieder mehr Energie und Zuversicht gewinnt. Die Musik wirkt für ihn wie eine Art emotionaler Anker, der ihm hilft, schwierige Gefühle besser zu bewältigen.
Was ich aus dem Projekt gelernt habe
Diese Erfahrung hat mir eindrücklich gezeigt, wie stark Musik auf unsere Emotionen wirken kann. Sie kann Erinnerungen wecken, Gefühle intensivieren, beruhigen oder motivieren. Besonders persönliche Lieder, mit denen sich jemand identifizieren kann, haben eine grosse Bedeutung. Sie können das Wohlbefinden steigern, Hoffnung geben und in belastenden Zeiten eine wertvolle Unterstützung sein.
Für mich persönlich war dieses Projekt nicht nur kreativ, sondern auch sehr lehrreich. Ich habe erfahren, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen und individuelle Wege zu finden, um sie zu unterstützen. Gleichzeitig habe ich entdeckt, wie vielseitig Musik eingesetzt werden kann – nicht nur im Unterricht, sondern auch im Alltag und im zwischenmenschlichen Bereich.
Autor: Rolf, Mitarbeiter Sozialpädagogik, Wohnen Erwachsene